Der aktuelle Himmel in den Monaten Juli, August und September 2010

von Daniel Sebastian

Es ist Sommer! Eis essen, Baden gehen oder einfach die Sonne genießen gehören zum täglichen Programm. Auch die Astronomen lässt der Sommer nicht kalt. In den lauen Sommernächten bietet der Himmel einen prachtvollen Anblick, wenn auch nur für wenige Stunden pro Nacht. Es ist die Zeit, in der man auch ohne Frostbeulen auf der Wiese liegen und dabei die Sterne der Sommermilchstraße oder die Ströme der Meteore - auch Sternschnuppen genannt - beobachten kann.

Da sind wir auch schon bei dem ersten Beobachtungstipp angelangt. Denn schon ohne optische Hilfsmittel, welche in der Astronomie so gern verwendet werden, kann man unter einem dunklen Himmel nach dem milchigen Band unserer Heimatgalaxie Ausschau halten. Ein guter Anhaltspunkt ist das Sommerdreieck. Eine gedachte Konstellation von hellen Sternen, die Anfang Juli am östlichen Abendhimmel auftaucht. Es wird gebildet von den Sternen Wega im Sternbild Leier, dem Deneb im Schwan und dem Altair im Adler. Alle drei Sterne sind relativ heiß und zeigen daher eine weiß/bläuliche Farbe. Während Altair mit etwa 17 und Wega mit etwa 25 Lichtjahren eher zu unserer kosmischen Nachbarschaft gehören, ist Deneb ein gewaltiger Riesenstern in über 3000 Lichtjahren Entfernung. Nur dank seiner großen Leuchtkraft erscheint er uns ähnlich hell wie die beiden anderen, viel näher stehenden Sterne.

Anblick des Sternhimmels in der Nacht des ersten Juli, mit Milchstraße und Sommerdreieck. Bild aus Stellarium
Anblick des Sternhimmels in der Nacht des ersten Juli, mit Milchstraße und Sommerdreieck. Bild aus Stellarium

Betrachten wir doch einmal das Sternbild Schwan etwas genauer. Mit ein wenig Fantasie kann man hier tatsächlich einen Schwan ausmachen. Der Deneb, dessen Name aus dem arabischen kommt und soviel wie Schwanz bedeutet, bildet die Schwanzfedern. Folgt man dem Verlauf der Milchstraße gen Westen, so kann man in kurzer Folge drei weitere Sterne ausmachen, welche mit dem Deneb eine gedachte Linie bilden. Der dem Deneb am nächsten gelegene dieser Sterne bildet den „Bauch“ des Schwans. An diesen Bauch schließen sich genau senkrecht zu der eben gedachten Linie die Schwingen des Schwans an, welche aus relativ dunklen Sternen bestehen, jedoch in einer dunklen Nacht leicht gesehen werden können. Folgt man der gedachten Linie vom „Bauch“ aus weiter bis zum letzten Stern dieser Kette, hat man den Albireo gefunden, welcher den Kopf des Schwans - am Ende eines langen Halses - darstellt. Mit einem kleinen Fernrohr sieht man diesen als einen sehr schönen Doppelstern. Beide Komponenten bieten einen auffälligen Farbkontrast aufgrund der unterschiedlichen Temperaturen der Sterne und umlaufen einander in etwa 214 Jahren.

Schon ein Fernglas zeigt in dieser Region des Himmels viele Sterne. Wir blicken aber auch auf eine Region aus viel Staub und Gas. So befindet sich ganz in der Nähe von Deneb ein gewaltiger diffuser Nebel, der eine recht einprägsame Struktur aufweist, welcher er auch den Namen Nordamerikanebel zu verdanken hat. Um ihn zu beobachten, reicht aufgrund seiner Größe schon ein Fernglas aus. Allerdings benötigt man einen sehr dunklen Himmel, um die Nebelstrukturen erkennen zu können. Dort, wo viele und vor allem viele junge Sterne sind, finden sich oftmals auch Überreste älterer Sternengenerationen. Für Deep-Sky-Freunde mit entsprechendem Equipment, bieten sich in der Region um den Schwan eine Vielzahl von planetarischen Nebeln. Die bekanntesten Vertreter sind wohl M57, der Ringnebel in der Leier und M27, der Hantelnebel im Sternbild Füchslein.

1) Hantelnebel (M27) 1988 aufgenommen mit dem Forst-Teleskop Primärfokus 500/2500 auf 3M ColorSlide 400 (Foto P. Rucks)
1) Hantelnebel (M27) 1988 aufgenommen mit dem Forst-Teleskop Primärfokus 500/2500 auf 3M ColorSlide 400 (Foto P. Rucks)
2) Ringnebel (M57) 1988 aufgenommen mit dem Forst-Teleskop Primärfokus 500/2500 auf 3M ColorSlide 400 (Foto P. Rucks)
2) Ringnebel (M57) 1988 aufgenommen mit dem Forst-Teleskop Primärfokus 500/2500 auf 3M ColorSlide 400 (Foto P. Rucks)

Ein sehr schöner Supernova-Überrest befindet sich an der südlichen Schwinge des Schwans. Für die Beobachtung dieses diffusen, auch als Cirrusnebel bekannten Objektes bedarf es allerdings lichtstarker Optiken.

Die Region um das Sternbild Schwan mit verschiedenen Deep-Sky-Objekten. Bild aus Stellarium
Die Region um das Sternbild Schwan mit verschiedenen Deep-Sky-Objekten. Bild aus Stellarium

Im Süd-Westen steht in der ersten Nachthälfte noch der helle Arkturus, der hellste Stern im Sternbild Bärenhüter. Er befindet sich aber schon in der Dämmerung auf dem absteigenden Ast seiner scheinbaren Bahn am Himmel. Zwischen dem Bärenhüter und der Leier ist ein Trapez aus recht schwach leuchtenden Sternen auszumachen. Es gehört zu dem Sternbild Herkules. In der griechischen Mythologie ist Herkules der Sohn des Zeus, welcher über gewaltige Kräfte verfügte und unter anderem die antike Welt von zahlreichen Ungeheuern befreite. Mythische Darstellungen zeigen den Herkules auf dem Kopf des Drachen kniend, welchen er besiegt hatte. Das Sternbild enthält den hellsten Kugelsternhaufen, welchen wir am Nordhimmel beobachten können, genannt M13. Bereits ein Feldstecher zeigt hier ein kleines, nebeliges Fleckchen. Ein Teleskop löst den Haufen in viele Einzelsterne auf. Der Stern Ras Algethi (zu deutsch: Kopf des Knienden) zeigt sich schon in einem kleinen Fernrohr als Doppelstern, mit einer rötlichen und weiß-gelblichen Komponente. Dabei gehört der rötliche Stern zu einer Klasse von unregelmäßig variablen roten Riesensternen und variiert seine Helligkeit in etwa 120 Tagen um bis zu einer Größenklasse.

Detailkarte des Sternbildes Herkules. Bild aus Stellarium
Detailkarte des Sternbildes Herkules. Bild aus Stellarium

Südlich des Herkules steht ein sehr großes Sternbild: Der Schlagenträger. Auch dieses ist ein antikes Sternbild, welches den griechischen Gott der Heilkunst, Äskulap darstellen soll. Dieser trägt eine Schlange, die um einen Stab gewickelt ist. Diese Darstellung hat sich im übrigen bis heute als Symbol der Heilkunst erhalten. Dieses unscheinbare Sternbild enthält mit M10 und M12 zwei interessante Kugelsternhaufen, welche in einem Fernrohr in Einzelsterne aufgelöst werden können.

In der Antike wurde auch der Begriff des Fixsterns geprägt. Der Grund dafür liegt einfach darin, dass die Sterne für das bloße Auge über Generationen hinweg unverrückbar immer an der selben Stelle am Himmel stehen und die vertrauten Sternbilder bilden. Mithilfe von genauen astrometrischen Messungen können heutzutage allerdings auch Eigenbewegungen dieser Sterne gemessen werden, womit der Begriff Fixstern nicht mehr allzu streng genommen werden darf. Ein extremes Beispiel ist Barnards Pfeilstern im Sternbild Schlangenträger. Dieser Stern ist mit 6 Lichtjahren Entfernung einer unserer nächsten Nachbarsterne und bewegt sich mit über 10 Bogensekunden pro Jahr über den Himmel. Dieser Stern ist trotz seiner Nähe so lichtschwach, dass man allerdings ein Fernrohr benötigt, um ihn aufzufinden.

 

Detailkarte des Sternbildes Schlangenträger mit den beiden Kugelhaufen und dem Pfeilstern. Bild aus Stellarium
Detailkarte des Sternbildes Schlangenträger mit den beiden Kugelhaufen und dem Pfeilstern. Bild aus Stellarium

Am 10. August verzeichnen wir Neumond. In den darauf folgenden, nahzu mondlosen Nächten lohnt sich ein Blick zum Sternenhimmel, denn der Perseiden Meteorstrom erreicht in dieser Zeit sein Maximum. Mit etwa 100 Sternschnuppen pro Stunde kann dann das „Schnuppenzählen“ zu einer spannenden Angelegenheit werden. Die Perseiden verdanken ihren Namen dem Sternbild, dem sie zu entspringen scheinen, dem Perseus. Tatsächlich liegt der Ursprung der Perseiden in Staubteilchen, die von dem kurzperiodischen Kometen 109P/Swift-Tuttle auf seiner Bahn um die Sonne zurückgelassen wurden.

Anblick des Sternhimmels in der Nacht des ersten September. Bild aus Stellarium
Anblick des Sternhimmels in der Nacht des ersten September. Bild aus Stellarium

Im September kündigt das Sternbild Pegasus den kommenden Herbst an, die Nächte werden deutlich länger. Zum astronomischen Herbstanfang am 23. September herrscht sogar Tagundnachtgleiche. Dann beginnt wieder die Zeit der langen Nächte.

Die Planeten

In den letzten Monaten haben uns Mars und Saturn stets durch die Nächte begleitet. Deren Auftritt auf der Himmelsbühne nähert sich jedoch nun dem Ende, da sie schon bald nach der Abenddämmerung unter dem Westhorizont verschwinden.

Obwohl die Venus - unser innerer Nachbarplanet - ihren scheinbaren Abstand zur Sonne noch immer vergrößert und erst am 20. August mit 46° ihre größte Auslenkung erreicht, verschlechtert sich ihre Abendsichtbarkeit im Juli zusehends, da sie auf ihrer scheinbaren Bahn unter einem immer flacher werdenden Winkel untergeht und damit schon sehr zeitig im Horizontdunst verschwindet.

Mars, Venus und Saturn bilden um den 7. August herum ein auffälliges Dreieck in der Abenddämmerung. Für dessen Beobachtung sind allerdings gute Bedingungen und ein Fernglas unabdingbar.

Planetenkonstellation um den 7. August am Westhorizont. Bild aus Stellarium
Planetenkonstellation um den 7. August am Westhorizont. Bild aus Stellarium

Jupiter, der größte Planet im Sonnensystem, ist im Juli und August immer noch am Morgenhimmel zu sehen, erreicht allerdings immer eher seinen Höchststand am Nachthimmel. So kulminiert er zur Opposition am 21. September schon gegen Mitternacht und ist damit die ganze Nacht zu sehen.

Uranus bewegt sich in den kommenden Monaten am Himmel scheinbar langsam auf den Jupiter zu. Auch dieser Gasplanet erreicht am 21. September seine Opposition und befindet sich zu dieser Zeit gerade mal etwa 1° vom Jupiter entfernt.

Neptun steht etwas westlicher am Himmel als der Jupiter und kulminiert daher schon eher. Er hat seine Opposition bereits am 20. August und ist dann am besten zu Mitternacht und nur mit einem Teleskop zu beobachten.

Am Rande noch ein kleiner Beobachtungstipp. In den kurzen Sommernächten im Juli und auch noch Anfang August sinkt die Sonne nicht allzu weit unter den Horizont und kann somit hoch fliegende künstliche Satelliten wie die ISS noch bis spät in die Nacht hinein beleuchten.

Natürlich kann uns jederzeit ein heller Komet oder ein anderes unerwartetes Ereignis am Nachthimmel überraschen. Es lohnt sich also die Augen offen zu halten. Zuverlässige Informationen dazu findet man unter anderem im Internet unter: http://www.heavens-above.com

Während im Juli noch jeden Samstag die Beobachtung unserer Sonne auf dem Programm in der Urania- Sternwarte im Schillergäßchen steht, öffnen wir ab August auch wieder für abendliche Beobachtungen. Wir laden Sie herzlich ein, gemeinsam mit uns die Schönheiten des Himmels zu erleben.

In diesem Sinne wünschen wir allen Freunden des gestirnten Nachthimmels und all denen, die es werden wollen, stets klare Sicht und viel Freude bei der Erkundung unseres Universums.